Good Read. Adult Edition: Alles Liebe

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Alles Liebe klingt erst einmal freundlich.

Nach Grußkarte, Blumenstrauß, vielleicht noch einer Nachricht mit viel zu vielen Herzen am Ende. Ronja von Rönne macht daraus etwas anderes. Zum Glück. Oder leider. Je nachdem, wie gemütlich man es beim Lesen haben möchte.

In Alles Liebe geht es um Menschen, die lieben, lügen, sich selbst belügen und manchmal ziemlich genau wissen, was sie tun. Nur eben nicht aufhören. Laura versteht schon früh, wie nützlich Mitleid sein kann. Barbara richtet sich ein Leben mit einem Mann ein, den es so eigentlich gar nicht gibt. Heike sitzt fest. Christina macht Kunst, weil die Welt sonst zu groß wird.

Das klingt schwer. Ist es auch manchmal. Aber nicht auf diese bleierne Art. Eher scharf, trocken, unangenehm treffsicher. Man liest und denkt sich zwischendurch: Uff. Und dann lacht man trotzdem. Kurz. Vielleicht ein bisschen falsch. Passiert.

Ronja von Rönne schreibt über Liebe nicht als großes rettendes Gefühl, sondern als etwas, das Menschen auch benutzen. Als Ausrede. Als Behauptung. Als hübsche Verpackung für Dinge, die darunter deutlich weniger hübsch sind. Das ist nicht romantisch. Aber ziemlich interessant.

Die einzelnen Geschichten wirken erst einmal wie kleine eigene Welten. Nach und nach schiebt sich dann doch etwas zusammen. Nicht mit großem Trommelwirbel, sondern eher so, dass man plötzlich merkt: Aha. Da hängt mehr aneinander, als es gerade noch den Anschein hatte.

Für mich ist Alles Liebe kein Buch für „einfach ein bisschen weglesen“. Dafür schaut es zu genau hin. Auf Sehnsucht, Eitelkeit, Einsamkeit und diese kleinen Lügen, die man sich erzählt, damit der Tag irgendwie weitergeht.

Also ja: Alles Liebe. Aber eben nicht die Sorte, die man unter eine Geburtstagskarte schreibt.

Alles Liebe. Roman von Ronja von Rönne. 240 Seiten. Erschienen bei dtv.

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