Bei Büchern über Achtsamkeit werde ich schnell misstrauisch.
Nicht, weil ich etwas gegen Ruhe habe. Im Gegenteil. Aber sobald irgendwo zu viel von innerer Balance, bewusster Langsamkeit und kleinen Ritualen die Rede ist, sehe ich vor meinem inneren Auge sofort eine Duftkerze umfallen.
Shosa macht es anders. Das Buch erklärt nicht dauernd, wie man achtsamer leben soll. Es schaut einfach hin. Auf Menschen in Japan, die ihr Handwerk mit einer Genauigkeit ausführen, die fast fremd wirkt, weil bei uns ja meistens alles schneller, effizienter und bitte noch kurz vor dem Mittagessen fertig sein soll.
Ein Tatami-Macher. Eine Meisterin der Teezeremonie. Menschen, die mit Bambus, Papier, Stoff, Bewegung oder Werkzeug arbeiten. Immer wieder dieselben Handgriffe, aber nie lieblos. Eher so, als würde gerade in der Wiederholung etwas entstehen, das man beim ersten Hinsehen leicht übersieht.
Das japanische Wort Shosa beschreibt genau diese Art des Tuns. Nicht nur, was gemacht wird, sondern wie. Die Haltung dahinter. Die kleinen Bewegungen. Die Konzentration. Das klingt vielleicht groß, ist im Buch aber sehr unaufgeregt erzählt.
Ringo Gomez begleitet diese Handwerker durch verschiedene Regionen Japans, Rob Walbers fotografiert dazu Hände, Räume, Materialien, Gesichter. Vieles wirkt still. Aber nicht leer. Man blättert langsam, bleibt an einer Bewegung hängen, an einem Werkzeug, an einem Blick. Und irgendwann merkt man, dass man selbst auch ein bisschen langsamer geworden ist. Unangenehm wirksam, könnte man sagen.
Für mich ist Shosa kein Buch, das man schnell durchliest und dann erledigt ins Regal stellt. Eher eines, das man zwischendurch aufschlägt. Wenn der Kopf zu laut ist. Oder wenn man kurz daran erinnert werden möchte, dass manche Dinge nicht besser werden, nur weil man sie schneller macht.
.affiliate links.



