Current Read: Perspektiven von Laurent Binet

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Ein kunstvoller Krimi, der Florenz zum Leben erweckt

Was passiert, wenn ein französischer Bestsellerautor die Kunstgeschichte der Renaissance mit einem Kriminalfall verwebt? Genau: Man bekommt Perspektiven – einen Briefroman über Florenz, der sich liest wie eine kunstvolle Mischung aus Dan Brown, Donna Leon und Giorgio Vasari.

Die Geschichte beginnt mit einem toten Maler: Jacopo da Pontormo wird in der Kapelle von San Lorenzo aufgefunden, tot vor seinem eigenen unvollendeten Fresko. Kurz darauf verschwindet ein rätselhaftes Gemälde, das angeblich geheime, ja sogar gefährliche Botschaften enthält. Wer könnte hinter dem Mord stecken – und was hat das Verschwinden des Bildes damit zu tun?

Binet lässt erzählen – nicht als allwissender Autor, sondern durch eine Vielzahl von Stimmen: Künstler, Nonnen, Fürsten, Spione. Die Form des Briefromans passt dabei überraschend gut zum Setting. Jede Stimme bringt eine neue Perspektive, neue Hinweise, neue Zweifel. Man liest sich durch Intrigen, Machtspiele, Allianzen und erfährt dabei ganz nebenbei viel über die Kunst, Politik und Denkweise der Zeit.

Besonders schön: Die Figuren sind nicht bloß Vehikel für den Plot, sondern eigenwillig, streitbar, lebendig. Man möchte sie gleichzeitig zur Vernunft bringen und mit ihnen bei einem Glas Chianti durch Florenz streifen.

Perspektiven ist ein historischer Krimi, der klug komponiert ist, Spaß macht – und einen mit seinem Detailreichtum und dem kunsthistorischen Hintergrund ganz sanft aufs nächste Level hebt. Für alle, die Krimis mit Stil und Hirn mögen, ein echtes Lesevergnügen. Und für Kunstliebhaber:innen sowieso.

Perspektiven. Laurent Binet. 304 Seiten. Erschienen bei Rowohlt. 

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