Good Read. Kids Edition: Ziemlich beste Monster
Monster sind normalerweise die, vor denen man Angst haben soll. Sie wohnen unter dem Bett, verstecken sich im Dunkeln oder tauchen genau dann auf, wenn eigentlich längst Schlafenszeit wäre.
In Ziemlich beste Monster – Geschichten zum Grinsen und Gruseln von Andrea Grill ist das ein bisschen anders. Denn hier haben die Monster plötzlich selbst Angst. Und irgendwie macht sie genau das ziemlich sympathisch.
Wenn in der Wohnung alle Menschen schlafen, wird nämlich die Monster-WG wach. Da wäre zum Beispiel Roman, das grüne Kältemonster, das am liebsten in einer Badewanne voller Eiswürfel liegt. Kyra ist ein Buchmonster und versteckt sich zwischen den Zeilen. Und Marianne kann sich unsichtbar machen und liebt Zuckerwatte über alles. Also eine Wohngemeinschaft, in der immer irgendetwas los ist.
Es wird chaotisch, lustig und manchmal natürlich auch ein bisschen gruselig. Aber eben nie nur. Denn hinter all dem Monster-Trubel steckt ein Thema, das Kinder ziemlich gut kennen: Angst.
Als Roman zum Beispiel alleine in den Park geht, bekommt ausgerechnet das Kältemonster plötzlich selbst einen ordentlichen Schreck und braucht die Hilfe der anderen. Das Buch zeigt dabei ganz nebenbei etwas, das vermutlich auch Erwachsene manchmal vergessen: Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Und selbst diejenigen, die nach außen ziemlich furchtlos wirken, fürchten sich manchmal.
Was ich daran wirklich mag: Daraus wird keine große Lektion gemacht. Die Geschichten bleiben vor allem Geschichten – mit eigenartigen Figuren, Humor und Illustrationen von Carmen Tung. Erst dahinter steckt die Botschaft, dass Angst vollkommen normal ist und man damit nicht allein sein muss. Ergänzt wird das Ganze außerdem durch kleine Tipps, die Kindern helfen können, wenn es doch einmal ein bisschen zu gruselig wird.
Vermutlich funktioniert genau deshalb die Idee mit den Monstern so gut. Weil über Angst zu sprechen manchmal leichter wird, wenn es zunächst gar nicht um die eigene geht.
Das Buch eignet sich sowohl zum Vorlesen als auch zum Selberlesen und richtet sich an Kinder ab sechs Jahren. Auf 112 Seiten bleibt dabei genug Platz, die ziemlich unterschiedlichen Monster kennenzulernen und dabei den einen oder anderen Favoriten zu finden.
Ein Kinderbuch über Monster also. Aber vor allem eines darüber, dass auch die Mutigsten manchmal jemanden brauchen, der mit ihnen durch den dunklen Park geht.
Und dass ein Monster, das Angst hat, vielleicht gar nicht mehr so gruselig ist.
.affiliate links.